Presse
BW Studio Südbaden
SWR Aktuell I 15. Januar 2021

Die freie Theatergruppe „Interkulturelles Theater“ hat am Freitagabend in der Kaiser-Joseph-Straße gemeinsam mit jesidischen BürgerInnen das Kulturprojekt „vegere jiyanê – zurück ins Leben“ vorgestellt. Der Tanztheater-Film wird zehn Tage lang täglich zwischen 17 und 20 Uhr auf eine Leinwand an der Hauswand des Modehauses Kaiser projiziert. Der Film erzählt das leidvolle Schicksal der Jesiden im Irak im Jahr 2014. Damals waren IS-Terroristen in die von Jesiden bewohnte Sindschar-Region eingedrungen. Diejenigen, die sich nicht durch Flucht retten konnten, wurden getötet oder entführt. Ihre Wieder-Aufrichtung wird eindrucksvoll im Tanz symbolisiert, erläutert Projektleiterin Monika Hermann (Audio). Coronabedingt gelten Maskenpflicht und Abstandsregelungen.

Anja Bochtler
Badische Zeitung I 13. Januar 2022
„Als 14-Jähriger wurde Ardawan Abdi Gefangener des Islamischen Staats. In Freiburg hat er neu angefangen. Der Tanzfilm „Zurück ins Leben“ greift auch seine Erfahrungen auf…“

Am 3. August 2014 ging längst nicht nur Ardawan Abdis Kindheit zu Ende. An diesem Tag geriet er mit 14 Jahren in die Gefangenschaft des „Islamischen Staates“(IS) . Es folgten sieben für die meisten Menschen unvorstellbare Monate. Als am 28. Februar 2015 mit seiner Befreiung sein zweites Leben begann, war das alte Leben für immer verloren. Doch wie vielen Jesidinnen und Jesiden gelang es Ardawan Abdi, neu anzufangen. Von solchen Neuanfängen erzählt der 13 Minuten lange Tanzfilm „Zurück ins Leben“ des Vereins „Interkulturelles Theater“

Wenn Ardawan Abdi (22) gelegentlich an Schulen die Geschichte seiner IS Gefangenschaft erzählt, versucht er, den Jugendlichen zu vermitteln, wie privilegiert sie in Deutschland leben. Zurzeit hat er oft den Eindruck, dass vielen Deutschen das überhaupt nicht bewusst ist – zum Beispiel, wenn immer mehr Leute gegen die Corona-Politik und Impfungen demonstrieren. In seiner alten Heimat im Irak dagegen, sagt Ardawan Abdi, wären die Menschen heilfroh, wenn sie sich impfen lassen könnten. Er ist in einem Dorf in der Nähe von Shingal aufgewachsen mit vier Geschwistern. Sein Vater arbeitete als Lehrer für Englisch und jesidische Religion. Es war eine schöne Kindheit, Ardawan Abdi hatte viele Freunde und spielte begeistert Fußball.

Das alles war abrupt vorbei, als er mit seiner Familie bei der Flucht vor dem IS im Stau der Flüchtenden steckenblieb und in Gefangenschaft geriet. Er wurde von den Eltern und Geschwistern getrennt und war als 14 Jähriger auf sich allein gestellt. Zum Glück war zumindest die Familie seines Onkels in seiner Gruppe.  Und dank der Kontakte eines anderen Onkels gelang es nach sieben Monaten, dass Ardawan Abdi und seine Verwandten freigekauft werden konnten.

Die Bilder von allem, was er bis dahin sieben Monate lang mitansehen musste, wird Ardawa Abdi wohl sein Leben lang nicht los: die toten Menschen auf den Straßen, die brutalen Morde, bei denen Is-Männer jemanden direkt vor seinen Augen köpften. „Der Tod war immer da, jede Sekunde“, sagte er. Diese Bilder tauchen auch nach all den Jahren nachts in seinen Träumen auf. Doch eine psychologische Behandlung half ihm. Und das Bewusstsein, dass er nun in Sicherheit war. Ardawan hatte mehrmals Glück – falls man angesichts seiner Erlebnisse noch von Glück sprechen kann: Von den 2000 Menschen in seiner Gefangenengruppe seien nur maximal 300 inzwischen befreit, sagt er.  Er gehörte dazu. Und er war im Sonderkontingent besonders schutzbedürftiger jesidischer Frauen, Mädchen und Jugendlichen, die im Dezember 2015 von Baden Württemberg aufgenommen wurden.

Seitdem hat sich in seinem Leben viel getan: Besonders dankbar ist er seinen Lehrerinnen und Lehrern an der Edith-Stein-Schule, von denen er sich bestens begleitet fühlte. Dort machte er den Hauptschulabschluss und startete nach einem Praktikum bei der Agentur für Arbeit eine Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistung. Inzwischen ist er im dritten Lehrjahr.

Ardawan Abdi ist auch sonst engagiert: Er ist als Dolmetscher für Kurdisch und Arabisch im Einsatz, außerdem ist er Mitglied im Migrantinnen und Migrantenbeirat, sowohl im Vorstand als auch in den Kommissionen für Teilhabe und Integration  sowie für Öffentlichkeitsarbeit. Seine Träume: Er möchte in die Politik gehen, um für Menschenrechte zu kämpfen. Und er sucht einen Verlag für sein Buch über seine Zeit als Gefangener. Damit auseinandergesetzt hat er sich auch bei der Mitarbeit beim Tanzprojekt vom Interkulturellen Theater, dessen Ergebnis ein Film ist, der nun draußen gezeigt wird. Die meisten der zwölf Tänzerinnen und Tänzer sind zwar nicht jesidisch, doch alles beruht auf ihren Erfahrungen.

Film „Back to life-zurück ins Leben“: Freitag 14. Januar bis Sonntag 23. Januar, jeweils zwischen 17 und 20 Uhr vor der Kaiser Joseph Straße 178. Beim Zuschauen (draußen) gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht. 

Schwarzwald Tourismus

Die Weihnachtsaktion der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) in Kooperation mit Kosmos Schwarzwald

Wie könnte Gastfreundschaft und gegenseitiges Verständnis besser wachsen als bei gemeinsamen Unternehmungen? Respekt und Offenheit sind Grundpfeiler des Tourismus. Deshalb hat die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) eine besondere Weihnachtsaktion ins Leben gerufen: „Ich zeig Dir meine Heimat“. Die Idee: Einwohner der Ferienregion nehmen geflüchtete Menschen zu einem Tagesausflug mit zu ihren Lieblingsplätzen.

Projektrealisierungszeitraum ist der 1.1.2022 bis 31.12.2022

Hugo Guenser
Stimmen gegen Rassismus und Populismus I 19. Dezember 2021

„Migrationswelle nach Europa“. Seit gut zehn Jahren wird dieser Begriff in den Medien verbreitet. Die Menschen, die damit eigentlich gemeint sind, verschwinden hinter dem Begriff. Sie werden zu einer abstrakten Zahl, ihre Gesichter verschwimmen. Aber all diese Menschen haben Gesichter und Geschichten zu erzählen. Ardawan Abdi ist einer von ihnen. Das Porträt eines engagierten jungen Mannes mit einer bewegten Vergangenheit und einer vielversprechenden Zukunft…“

Anja Bochtler
Badische Zeitung I 17. März 2021

„Baboucarr Boye kam 2014 nach Freiburg, wo er inzwischen fest verankert ist. Doch die Verbindung zu seinem Heimatdorf in Gambia hat er nicht aufgegeben – und will dort nun ein Krankenhaus bauen…“

Anita Westrup
SWR Aktuell I 02. März 2021

„Die Arme schwingen durch die Luft und der Kopf taucht ein in die Musik – wie schön wäre es, mal wieder zu tanzen. Das hat sich das interkulturelle Theater in Freiburg gedacht und seinen Tanzfilm „Coronah“ getauft…“

Wir danken für die Förderung

und unseren Spenderinnen und Spendern

Claudia Füßler
Badische Zeitung I 14. März 2019

„BZ-FRAGEBOGEN, heute ausgefüllt von Mohammad Diab, Bauingenieur und Mitglied im Interkulturellen Theater Freiburg…“

Heidi Ossenberg
Badische Zeitung I 21. April 2018

„Als Tochter geboren? Als Ehefrau gelebt? Als Mutter versagt? Als Verlassene gestorben? Im Leben nimmt jede Frau verschiedene Rollen an…“

Anja Bochtler
Badische Zeitung I 02. Juni 2017

„Das Projekt „Weg der Frauen“ will diejenigen geflüchteten Frauen erreichen, die bisher wenig Kontakte und Unterstützung haben…“

Marion Klötzer
Badische Zeitung I 25. Juni 2016

„Das Interkulturelle Theater Freiburg will die Spießer umerziehen…“

Anja Bochtler
Badische Zeitung I 08. November 2013

„75 Jahre nach der Pogromnacht erinnern mehr als 20 Kinder und Jugendliche an das Schicksal der „Kinder von La Hille…“

Kai Kricheldorff
Badische Zeitung I 18. Dezember 2008

„Das Freiburger Laienensemble „Junges Theater Tabun“ führte in der Breisacher Spitalkirche das Musical „Babels Traum“ auf…“