Verein für interkulturelles Theater Freiburg
Verein

Das interkulturelle Theater Freiburg besteht seit 2001 mit jährlichen Projekten für Kinder mit Theater und Musik. Es entwickelte sich seit 2007 zu einem Interkulturellen Projekt für Jugendliche und junge Erwachsene – 2012 wurde dafür ein Verein als Träger gegründet (Verein für interkulturelles Theater Freiburg e.V.) Seitdem wurde es zu einem Mehrgenerationentheater ausgebaut, es gab 2018 auch ein eigenes Frauentheaterprojekt.

Bundesweit bekannt wurden die eigenen Stücke DENK ICH AN DEUTSCHLAND, SICHER IN FINISTAN, COCON DIE ENTPUPPUNG  durch Veröffentlichungen in den Zeitschriften kulturszene 16 , kulturszene 19 und Teilnahme an Festivals.

Ziel der Theaterarbeit  in den gemischten Gruppen sowohl inhaltlich in den Aktivitäten, als auch in den Stücken selbst ist es,  Barrieren und Rassismus zu überwinden.  Vorurteile werden abgebaut durch ein Zusammenwachsen und einen Zusammenhalt in der Theatergruppe. In der Theatergruppe entsteht immer wieder neu eine Vision eines Zusammenlebens, das die Zukunft der Gesellschaft vielfältig mitgestalten kann.  Internationale Kulturabende im Humboldtsaal in Freiburg, Humboldtstr. 2, tragen auch über die Theaterarbeit hinaus dazu bei, die Schönheit und Tiefe der jeweiligen Kulturen kennenzulernen und sie einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen.

Der Vorstand

Monika Hermann

1.Vorsitzende

Nawras Diab

2.Vorsitzender

Mousa Alshedah

Schriftführer

Anna Wilhelm 

Kassenwartin

Mohammad Diab

Kassenprüfer

AKtive im Verein

Baboucarr Boye

Baboucarr Boye kam 2014 nach Freiburg, wo er inzwischen fest verankert ist. Doch die Verbindung zu seinem Heimatdorf in Gambia hat er nicht aufgegeben – und will dort nun ein Krankenhaus bauen. Spätestens seit Corona hat Baboucarr Boye (29) immer stärker das Gefühl, dass er aktiv werden muss. Und zwar dort, woher er ursprünglich kommt: In Jahanka, einem Dorf in Gambia, wo die Menschen selbst in schwerkrankem Zustand noch 20 Kilometer weite Wege ins nächste Krankenhaus ohne Autos auf schlechten Straßen hinter sich bringen müssen. Deshalb hat er sich hier in Freiburg mit anderen Gambiern zusammengetan, um ein Krankenhaus zu bauen. Dafür brauchen sie Unterstützung...

Ein Krankenhaus für 20.000 Menschen
Was Corona angeht, kommt das Krankenhaus spät: Vor 2022 wird es nicht fertig werden. Zum Glück seien die Infektionszahlen rund um Jahanka bisher niedrig, sagt Baboucarr Boye. Doch auch ohne Corona gebe es viele Notfälle, bei denen eine schnellere Versorgung dringend nötig wäre. Viele würden beim mühsamen Weg in die nächste Klinik sterben, meist hätten sie bestenfalls Pferdekutschen, um voranzukommen. Wegen des schlechten Zustands der Straßen sei es vor allem in der Regenzeit sehr beschwerlich, da dauere der Weg mindestens zwei Stunden. Das geplante Krankenhaus direkt vor Ort soll rund 20 000 Menschen versorgen.

Vom Landwirt zum Industriemechaniker
Baboucarr Boye hat seine alte Heimat 2013 mit 21 Jahren verlassen. Im Vergleich zu seinem Leben jetzt in Freiburg ist er in einer anderen Welt aufgewachsen: Er hat mehr als 20 Geschwister, sein Vater ist mit drei Frauen verheiratet. Die große Familie lebte von Landwirtschaft, doch die gepachteten Flächen reichten kaum, um alle zu ernähren. Das Dorf sei stark von Armut geprägt, sagt Baboucarr Boye. Besonders schwierig sei es, wenn die Ernte schlecht ausfalle. Angebaut werden unter anderem Erdnüsse, Süßkartoffeln, Mais, Hirse, Reis und Melonen, erzählt Baboucarr Boye. Ihm war klar, dass er dort keine Perspektive hatte. Er hatte auch keine Chance, Lesen und Schreiben zu lernen. Bis auf drei Jahre Auswendiglernen in der Koranschule sei er immer nur in die Feldarbeit eingespannt gewesen, sagt er.
Und so war klar, dass er gehen musste. Zuerst wollte er in der Türkei arbeiten, doch die Lage war schlecht, ebenso in Bulgarien, wo er bis 2014 vergeblich versuchte, Arbeit zu finden. Dann wollte er nach Holland, blieb aber auf dem Weg in Deutschland hängen.
In Freiburg lernte er dann mit 22 Jahren Lesen und Schreiben, ab 2015 ging er auf die Internationale Hauptschule im Römerhof und machte dort 2018 seinen Hauptschulabschluss. Baboucarr Boye war von Anfang an auf allen Ebenen sehr aktiv: Gleich 2014 machte er das erste Praktikum, immer nachmittags nach der Schule, bei einem Unternehmen in Denzlingen, das unter anderem Gerüste und Gabelstapler vermietet und repariert. 2018 begann er dort die Ausbildung zum Industriemechaniker. Er mag die Arbeit sehr. Und er war kaum einen Monat in Freiburg, als er bereits in Theaterprojekte einstieg. Er steht gern auf der Bühne, außerdem konnte er so ganz nebenbei Deutsch lernen und viele Kontakte knüpfen. Inzwischen ist Baboucarr Boye in Freiburg fest verankert: Er macht seit drei Jahren beim "Verein für interkulturelles Theater" mit, seit 2018 ist er mit einer Deutschen verheiratet, und im November stehen die Abschlussprüfungen für seine Ausbildung an. Deshalb ist jeden Abend nach der Arbeit Lernen angesagt.

Derzeit wird in Jahanka das Krankenhaus-Gebäude errichtet
Obwohl sein Leben hier voll ist, wollen Baboucarr Boye und andere Gambier, die in Freiburg leben, alles tun, um den Menschen in ihrer alten Heimat zu helfen. Für das "Jahanka Health Care"- Krankenhaus hat die Initiative Land vom Bürgermeister des Dorfes bekommen, zurzeit wird das Gebäude gebaut. Daran beteiligen sich Männer aus dem Dorf. Vieles wird nun gebraucht, auch langfristig: In Gambia gibt es keine Krankenversicherung, doch Kranke sollen auch dann behandelt werden, wenn sie kein Geld haben. Nötig sei auch Hilfe von Menschen aus Freiburg, sagt Baboucarr Boye: "Alleine schaffen wir es nicht."

Mehr Informationen gibt es unter hospital-jahanka.de


Nadya Shehab
Du bist schon länger beim Interkulturellen Theater Freiburg e.V. dabei - und du bist sehr engagiert. Was bedeutet das Interkulturelle Theater Freiburg e.V. für dich?
Das Interkulturelles Theater e.V. bedeutet mir viel. Durch den Verein konnte ich viele sympathische Leute kennenlernen, die mich unterstützt haben. Am interkulturellen Theater gefällt mir am meisten die Vielfalt, weil ich über den Verein viele Kulturen kennenlernt habe und es mir gelungen ist, mich in Deutschland besser zu integrieren...

Hat es dir zu neuen Chancen und Kontakten verholfen?
Was mir aber meisten am Herzen lag, war den geflüchteten Frauen zu helfen beim Frauentreffen! Bei diesen Treffen konnten Frauen lernen, wie sie sich in Deutschland mehr integrieren und wie sie sich engagieren können.

Was hast du hier in Deutschland erreicht?
Ich habe in Deutschland für mich viel erreicht! Ich habe die deutschen Sprache (Niveau C1) erreicht! Ich habe einen Job in meinem Bereich gefunden, mit dem ich sehr zufrieden bin: ich arbeite im Hydroponik System bei der P3 Werkstatt in Freiburg. Ich habe es geschafft mich hier gut zu integrieren und mich zu engagieren!

Worauf bist du stolz?
Ich bin stolz darauf, dass meine Kinder in der Schule und ihrer Bildung gut klar kommen und sich in Deutsch wohlfühlen und vor allem sich sicher fühlen, denn ich lege großen Wert auf die Bildung meiner Kinder!


Fouad Makkieh
Du bist schon länger beim Interkulturellen Theater Freiburg e.V. dabei - und du bist sehr engagiert. Was bedeutet das Interkulturelle Theater Freiburg für dich?
Es ist für mich sozusagen ein künstlerischer Ort, wo ich Leute aus verschiedenen Nationalitäten kennengelernt habe. Ich habe richtige Freundschaften mit ihnen aufgebaut, worauf ich mega stolz bin. Wir haben Spaß miteinander gehabt. Wir sind nicht nur eine Theatergruppe sondern ein Freundeskreis. Wir haben gute Zeiten miteinander verbracht...

Hat es dir zu neuen Chancen und Kontakten verholfen?
Ja klar, die besten Freunde, die ich in Freiburg kennengelernt habe und mit denen ich mich später angefreundet habe, habe ich durch das interkulturellen Theater kennengelernt Ich bin der Gruppe dankbar, dass ich so schnell Kontakte knüpfen konnte. Viele Leute mit denen ich Theater gespielt habe, sind jetzt richtig gute Freunde von mir.

Was hast du hier in Deutschland erreicht ?
Ich habe Leute aus verschiedenen Nationalitäten kennengelernt und bin ihnen ein guter Freund geworden. Ich habe eine zusätzliche Fremdsprache gelernt –Das macht mir Freude: Sprachen zu lernen ist für mich eine Leidenschaft.

Worauf bist du stolz?
Es gibt viele Sachen auf die ich in den letzten zwei Jahren stolz sein kann . Ich bin stolz beispielsweise, dass ich auch in den schwierigen Zeiten niemals meine Ziele, meine Träume aufgegeben habe.

Foto: Lucilla Mollenhauer


Camila Ruiz Morales

Du bist schon länger beim Interkulturellen Theater Freiburg e.V. dabei - und du bist sehr engagiert. Was bedeutet das Interkulturelle Theater Freiburg e.V. für dich?
Ich bin seit über zwei Jahren dabei- Es bedeutet für mich zuerst Integration, auch die Beziehung zwischen Kunst und verschiedenen Kulturen. Die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir in der Kunst EINS sind, egal wie unterschiedlich wir sind. Wir sind eine Gruppe und egal woher wir kommen: wir machen Kunst und wir zeigen den Leuten die Kunst..

Hat es dir zu neuen Chancen und Kontakten verholfen?
Es gab mir die Möglichkeit, künstlerisch zu arbeiten und verschiedene Menschen und Kulturen kennen zu lernen und gemeinsam mit den Theaterteilnehmer_innen mehr teilzuhaben. Ich habe durch die Theaterarbeit die Möglichkeit gehabt, mich selbst mehr kennen zu lernen und mich selbst mehr loszulassen. Ich fand es mega interessant, wie wir unsere Stücke aufbauen. Es ist frei und viel Selbstwirksamkeit dabei, selbst etwas gestalten zu können. Man merkt dabei, dass wir verschiedene Menschen sind und dass wir verschiedene Ansichten haben. Das macht Spaß, finde ich.

Was hast du hier in Deutschland erreicht?
In diesen drei Jahren habe ich viel persönliche Bildung für mich gehabt. Ich habe mich persönlich, sozial und beruflich weiterentwickelt – und ich habe meine Ausbildung geschafft.

Wie weit bist du mit deiner Ausbildung?
Noch ein Jahr, dann bin ich fertig, Ich bin dann fertig ausgebildete Krankenpflegerin.

Worauf bist du stolz?
Ich bin sehr stolz auf mein persönliches Wachstum. In letzter Zeit habe ich mich viel entwickelt, habe viel kennengelernt und ausprobiert und das hat mir persönliches Wachstum gebracht. Von daher bin ich sehr stolz. Je mehr desto besser!

Foto: Biryar Kouti